![]()
Die Armen Schulschwestern in der
Au
Anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Arme
Schulschwestern in der Au“ haben im Jahr 1989 Sr. M. Gerburgis Steinmeier,
ehemalige Deutschlehrerin an unserer Realschule, und Sr. M. Birgitt Brummer,
damals Oberin des Klosters in der Au, Texte und Bilder zusammengestellt, die
nicht nur eine Geschichte des Ordens, sondern auch ein Stück Münchner
Stadtgeschichte und Schulgeschichte erzählen. Der folgende Text ist gekürzt
und aktualisiert.
Streiflichter aus der Geschichte des Stadtteils München – Au
1289
wird die Siedlung Au bei München erstmals urkundlich erwähnt.
1511
erbaut Herzog Wilhelm IV. das Jagdschloss Neudeck in der Au.
1627
errichten Paulanermönche hier ein Kloster. Sie wirken 172 Jahre lang als
Seelsorger und Helfer der Armen.
1629
schenkt Graf Sebastian von Rottaw das viel verehrte Gnadenbild „Mariahilf“
der Pfarrei. „Gnadenmutter von der Au, Deinem Schutz ich stets vertrau“,
betet das gläubige Volk in allen Anliegen.
1839
wird am 25. August nach achtjähriger Bauzeit die Pfarrkirche Mariahilf
geweiht.
Welche
geschichtliche Situation finden wir in Bayern vor?
König
Ludwig I. regiert Bayern. Er übernimmt ein schweres Erbe. Das Land leidet unter
den religiösen und sozialen Folgen der Säkularisation: Die Klöster sind
aufgehoben, das Schulwesen liegt im Argen und die Jugend ist weithin verwahrlost
und oft sich selbst überlassen.
König
Ludwig war als Prinz Schüler von Bischof Johann Michael Sailer. Dieser sieht
die Mißstände der Zeit besonders klar. Er führt den Thronfolger zu einem überzeugten
Christentum hin. Die beste Abhilfe sieht der König deshalb in der religiösen
Erziehung und Bildung der Jugend. Er überträgt diese Aufgabe den neu
entstehenden Ordensgemeinschaften.
Bischof
Wittmann von Regensburg hat bereits 1809 Karolina Gerhardinger zur Lehrerin
ausbilden lassen. Diese gründet 1833 als Schwester Maria Theresia Gerhardinger
die Kongregation der Armen Schulschwestern mit der ersten klösterlichen Mädchenschule
in Neunburg vorm Wald.
Trotz
großer Armut wächst die Schwesterngemeinschaft von Jahr zu Jahr. Neue
Niederlassungen entstehen. Die weitblickende Generaloberin will ihren Schwestern
die beste Ausbildung ermöglichen. Dies kann nur in der Landeshauptstadt sein.
So richtet sie ein Bittgesuch an die königliche Regierung, ein Mutterhaus in München
errichten zu dürfen. Ihre klaren Ausführungen überzeugen die Behörden, und
der König sagt anerkennend: „Diese Frau weiß, was sie will, und was sie
will, ist groß gedacht.“ Im Auftrag des Königs darf sie sich nach einem
geeigneten Gebäude umsehen. Nach langen Überlegungen entscheidet sie sich für
das frühere Klarissinnenkloster am Anger.
Doch
bis zur Übernahme vergehen Jahre. Zuerst entsteht 1839 die Niederlassung in der
Au.
„Die Hauptmasse der Bevölkerung sind arme Tagelöhner, welche mühsam Verdienst suchen mussten. In aller Frühe eilten Mann und Frau in die Stadt, erst am Abend kamen sie müde und abgehetzt heim. Die kleinen Kinder wurden älteren Geschwistern oder alten Nachbarinnen zur Pflege überlassen oder sie blieben ohne jede Aufsicht und Nahrung einfach in der Wiege in ihrem Schmutz liegen. Von den größeren Kindern kamen sehr viele ganz verhungert in die Schule. Nach dem Unterricht trieben sie sich auf der Gasse herum. Viele Kinder betrieben das Betteln wie ein Handwerk.“
Ist nach diesen Aussagen nicht die Au das gegebene Arbeitsfeld für die Armen Schulschwestern? Bereits Anfang Dezember 1839 erfüllt Mutter Theresia Pfarrer Rabls Bitte. Sie reist von Neunburg her in die Vorstadt Au. Aber der Anfang in München war sehr bescheiden und bitter arm.
Unter Sturm und Regen kam Mutter Theresia mit drei Schwestern und einer Kandidatin nach fünftägiger an Beschwerden reicher Fahrt in einem gebrechlichen Wagen am Abend des 7. Dezembers 1839 vor dem Pfarrhof in der Au an.
„In München verursachte die Ankunft der Schwestern peinliche Überraschung. Mutter Theresia hatte einer privaten brieflichen Aufforderung Folge geleistet, die amtliche Berufung hatte sich jedoch verzögert, so dass in der Au selbst niemand mit ihrem Kommen rechnete. Als der Wagen am Pfarrhaus vorfuhr, ließ man die Schwestern dort lange warten. Stadtpfarrer Rabl war nicht zu Hause und die Kapläne waren in großer Verlegenheit, was sie tun sollten. Eine der Schwestern berichtet: Endlich kam einer der Kapläne heraus und lief eilig zurück, rufend: „Schulschwestern sind da! Wo sollen die hin?“ Diese stiegen aus und hörten die Antwort: „Beim Kutscher Aiblinger ist eine Stube leer; da haben wir heute den Sohn herausbegraben.“ Um nun je eher, desto lieber die Schulschwestern los zu sein, wurde der Kutscher angewiesen, um ein Haus weiter zu fahren, wo ihnen von seiten der Kutschersfrau ein nicht allzu freundlicher Empfang zuteil wurde. Sie betrachtete die Schwestern als Eindringlinge und räumte hastig ihre ganze Habe fort, so dass diese mit ihren mitgebrachten Kisten vollständig allein waren.
Da die Schwestern müde und hungrig waren, bat Mutter Theresia die Frau um die Bereitung einer warmen Suppe, erhielt aber zur Antwort, für ihre Knechte wisse sie wohl zu kochen, nicht aber für solche Leute. Als diese versicherten, dass sie mit einer Knechtssuppe ganz zufrieden seien, kam alsbald eine Schüssel voll Nudelsuppe und ein Löffel, aber kein Teller. Eine Kiste diente als Tisch, die Koffern als Sitze und so bekam nun jede der Reisenden abwechselnd den Löffel in ihre Gewalt. Spät abends kam Pfarrer Rabl nach Hause und lud die Schwestern ein, vorläufig in sein Haus zu kommen, was aber dankend abgelehnt wurde. Die erste Nacht verbrachten die Schwestern in ihrer kalten, unfreundliche Stube ohne jede Bequemlichkeit.“
Das ist der Anfang der Schulschwestern in München und in der Au. Eine Gedenktafel am Haus links neben unserer Schule erinnert daran, dass Theresia Gerhardinger hier vom 7. bis zum 9. Dezember 1839 wohnte.![]() |
Ansicht der Au um 1839 |
Die Arbeit mit den Kindern in der Au
Bereits am nächsten Tag nehmen sich Pfarrer Rabl und die Servitinnen vom Herzogspital der Schwestern an.
„Trotz
aller großmütigen Hilfe aber blieb die Wohnung recht armselig. Es mangelte den
Schwestern an vielem. ‚In Neunburg sind wir arm‘, schrieb damals Mutter
Theresia, ‚aber so arm wie in der Au nicht.‘
Die
Mietwohnung konnte nicht einmal richtig abgeschlossen werden. Unten wohnte ein
Lohnkutscher mit seinen derben Knechten, oben über den Schwestern einige
unverheiratete Frauen mit ihren Kindern."
Am 8. Dezember 1839 übernehmen
Sr. M. Philomena Blattner und Sr. M. Augustina Dostler zwei Mädchenklassen.
Bald werden den Schwestern sämtliche Mädchenklassen übertragen. Pfarrer Rabl
äußert sich: „Die Schulschwestern haben die bisherige Schulfurcht in
Schulfreude verwandelt.“
1840 erwerben die Schwestern das Ertl-Anwesen mit dahinterliegendem Garten und Berg, ein Wirtshaus und noch ein kleines Haus. Für die Beschaffung der Kaufsumme sorgt König Ludwig I., nachdem seine Schwestern, die Kaiserin von Österreich und die Königin von Sachsen, bei den Schwestern in der Au zu Besuch waren und deren schlechte Unterkunft gesehen hatten. Nun können auch Zöglinge aufgenommen werden. Doch die Räume reichen nicht lange.
1843
wurde das neue Mutterhaus am Anger bezogen. Die Filiale in der Au bildete von
Anfang an seine Ergänzung und stand wie das Mutterhaus jahrelang unter der
unmittelbaren Leitung Mutter Theresias.
„Der
weite Garten des Auer Klosters versorgte nicht nur die Küche des Mutterhauses
mit dem notwendigen Gemüse, er bot auch dessen Bewohnern reiche Erholungsmöglichkeit,
umfasste er doch jenseits des Mühlbaches das malerische Hochufer der Isar, von
dessen oberster Terrasse man einen herrlichen Blick auf die türmereiche
Hauptstadt genießt. Die Montagnachmittage verbrachten Zöglinge und
Kandidatinnen für gewöhnlich im Auer Garten; hier wurde auch das Maifest
gefeiert mit Sang und Spiel und festlichem Mahl.
Das Haus in der Au baute Mutter Theresia im Laufe der Zeit. den Bedürfnissen
der armen Bevölkerung der Vorstadt entsprechend, zu einer einzigartigen
sozialen Hilfsanstalt aus."
1845
entsteht im Garten ein einfaches Institutsgebäude, aber bald sind die Räume
wieder zu eng. So erwerben die Schwestern das Anwesen des Schreinermeisters
Wahle und die am Bach gelegene Stärkefabrik. Nach einem Anbau ziehen dort sechs
Mädchenklassen ein.
1851
überträgt Pfarrer Herbst dem Konvent die von Pfarrer Rabl gegründete
Armenindustrieschule und die Heilanstalt für verwahrloste Jugendliche.
Eine
Kinderbewahranstalt wird eröffnet. Der Vorläufer des Kindergartens. Unsere
Stifterin legte damals schon großen Wert auf kindgerechte Beschäftigungsmittel.
Vielen armen Kindern der Bewahranstalt wird mittags eine warmen Suppe gereicht.
Diese Kinder sind in der Au als Suppenkinder bekannt. Die Schulkinder werden
auch in der Freizeit betreut. So ist 1851 eigentlich das Geburtsjahr des
Tagesheims und des Horts.
1859
wirken die Armen Schulschwestern 20 Jahre in der Au. Sie betreuen jetzt:
o
620 Werktagsschülerinnen
o
300 Feiertagsschülerinnen
o
84
Bewahranstaltskinder
o
90 Institutszöglinge
und
o
31 Kinder der
Rettungsanstalt.
Der
Konvent zählt 40 Schwestern und 16 Kandidatinnen.
Für
die 20-jährige erfolgreiche Aufbauarbeit schenkte Mutter Theresia vermutlich
dem Auer Konvent die Statue „Unsere Liebe Frau in der Sonn“, eine
eindrucksvolle und außergewöhnliche Skulptur des Weilheimer Meisters Hans
Degler aus der Zeit um 1605. Heute nimmt die Statue in der Hauskapelle links
vorne einen Ehrenplatz ein.
1881
baut der Orden ein Mädchenschulhaus für die siebenklassige Volksschule. Etwa
500 Schülerinnen werden dort unterrichtet.
1886
eröffnet Stadtpfarrer Simon Knoll offiziell den Mädchenhort. Der Orden stellt
unentgeltlich die Schwestern, später gibt der Vinzentius-Verein monatlich 100
Mark Zuschuss.
1889
feiern die Schwestern voll Freude und Dankbarkeit das 50-jährige Bestehen der
Filiale in der Au. Aus einem unscheinbaren Beginn ist ein stattliches
Schulkloster geworden.
![]() |
Hans
Degler, Unsere Liebe Frau in der Sonnen, 1605 |
Die
Ordensgemeinschaft zieht viele junge Menschen an. 1892 spricht die Chronik von
92 Aspirantinnen. Der Trend setzt sich fort, bis die Nationalsozialisten mit
Gewalt eingreifen.
Seit
1895 dürfen die jungen Schwestern der bayerischen Ordensprovinz in unserer
Kapelle die Ewige Profess ablegen. Sehr oft hält Kardinal Faulhaber die Feier.
Auch
die Pfarrgeistlichkeit schätzt die Tätigkeit der Schwestern. Der Geistliche
Rat Simon Knoll bedankt sich anlässlich eines Festes „für alle Guttaten, die
das Kloster der Pfarrgemeinde erweist.“
An
die Wertschätzung der weltlichen Behörden erinnert die Weihnachtskrippe des
Klosters. Magistratsrat Michael Feuerstein schenkt sie
1893 den Schwestern. Die geschnitzte Krippe mit bekleideten Figuren und
vielen Tieren hat alle Wirren des 20. Jahrhunderts überstanden, wurde
restauriert und wird jedes Jahr wieder im Vorraum der Kapelle mit
verschiedenen Szenen aufgebaut.
Auch
königlicher Besuch findet sich in der Au ein: Prinzessin Klara, die Enkelin
Ludwigs I., besucht wiederholt das Institut, seine königliche Hoheit Prinz
Ludwig Ferdinand sitzt mit seiner Tochter, Prinzessin Pilar, bei Theateraufführungen
in der ersten Reihe und Prinz Arnulf von Bayern, der Bruder des letzten Königs,
Ludwig III., plaudert mit den Kindern im Hort.
![]() |
Die
Klostergebäude in der Au um 1910 |
Das Bildungswesen der Schwestern entspricht den Anforderungen der Zeit:
1913
erhalten die Schülerinnen der verpflichtend gewordenen 8. Klasse der
Volkshauptschule einen Schulgarten.
Mehrere
Schwestern legen das Examen als Haushaltslehrerinnen ab und führen die Mädchen
in die Kunst des Kochens ein.
1916
hält die erste Remington - Schreibmaschine Einzug und der Unterricht in
Maschinenschreiben beginnt.
1920
eröffnen die Schwestern auf Anregung von Kreisschulrat Eisbeck eine
zweiklassige Haushaltungsschule.
Die
folgenden Jahre der Inflation sind wie überall eine Zeit des Hungers und der
Not. Die Klage der Hausoberin „Wie soll ich eine Gemeinschaft mit 300 Personen
ernähren, wenn ein Zentner Weizen schon 400 Mark kostet?“ verstummt, als von
Freunden und Organisationen aus Stadt und Land
Nahrungsmittel und Geld eintreffen. Die Chronik besteht in jenen Jahren
fast nur noch aus Empfangsbestätigungen für Almosen. Viele Hilfen kommen auch
von Freunden, ehemaligen Schülerinnen und Mitschwestern aus Amerika. Ein
Beispiel soll für viele stehen: 1923 treffen so viele Spenden ein, dass eine
Milchkuh für die Au, später eine zweite für das Mutterhaus gekauft werden
kann. Welch ein Reichtum in jenen Jahren, wo man nur noch in Milliarden und
Billionen bezahlte!°
Vielleicht
geht den Auer Schwestern aber auch das Geld im Topf nicht aus, weil sie keinen
Armen von der Tür weisen. Täglich erhalten in den Jahren der Arbeitslosigkeit
um 1930 über 400 Notleidende wenigstens ein Stück Brot oder Suppe.
Auch
die folgenden Jahre sind von großer Armut geprägt. Das Leben der Schülerinnen
und Schwestern hält sich in bescheidenen Grenzen. Dies hindert die
Ordensleitung nicht, an den dringend notwendigen Schulneubau zu denken. 1934
beginnen die Abbrucharbeiten der viel zu eng gewordenen Gebäude. Schon im Juni
1935 wird das Haus samt Kapelle durch Kardinal Faulhaber geweiht.
Mit
Beginn des neuen Schuljahres 1935/36 verlegt der Orden das Kindergärtnerinnenseminar
vom Mutterhaus am Anger in die neuen Räume des Auer Klosters. Die Filiale
beherbergt:
o
83 Schwestern
o
eine achtklassige Mädchenvolksschule
o
eine zweiklassige
Haushaltungsschule
o
ein Seminar zur
Ausbildung der klösterlichen Handarbeitslehrerinnen,
o
ein Kindergärtnerinnenseminar
o
einen Hort und einen
Kindergarten.
1936 fährt der eisige Wind des Nationalsozialismus in dieses blühende Schulwesen. Trotz Bitten und Protesten der Eltern dürfen die Schwestern keine Kinder mehr in ihre Volksschule einschreiben. 1937 werden alle Schwestern daraus entlassen.
1939 feiern die Schwestern im Advent am Sonntag Gaudete ihr 100jähriges Jubiläum. Der 2. Weltkrieg hat begonnen, die Aufhebung der klösterlichen Schulstellen vollzieht sich in den meisten Konventen, Unsicherheit und Zukunftsangst machen sich breit. Trotzdem spricht der Festprediger Hubert Fischer mit den Worten, die Paulus aus dem Gefängnis an seine Gemeinde in Philippi geschrieben hat: „Gaudete! Freut euch, denn der Herr ist nahe!“ Dies gibt auch den Schwestern in dieser dunklen Zeit der Vernichtung ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit eine unbesiegbare Hoffnung.Am
15. August 1941 trifft die Hiobsbotschaft ein: Der Neubau der Armen
Schulschwestern wird beschlagnahmt und ist binnen zwei Wochen als Lazarett
einzurichten. Helle Aufregung und Ratlosigkeit machen sich breit. Tag und Nacht
arbeiten die Schwestern unter äußerster körperlicher und seelischer
Belastung. Verhandlungen über wirtschaftliche Führung, Bereitstellung von
Schwestern zu Lazarettdiensten sind
im Gange. Am 31. August ist das Haus bezugsfertig und heißt nun offiziell
Teillazarett Mariahilf. Die Kongregation stellt 10 geprüfte Krankenschwestern,
10 Schwestern für Verwaltung und Geschäftszimmer, 7 Schwestern als
Arztschreibkräfte und 3 Schwestern für das Labor zur Verfügung. Außerdem übernehmen
die Schwestern die Verpflegung der Patienten, die Kleiderkammer, die Wäsche-
und Hausreinigung.
Ab dem 3. Oktober 1941 treffen die ersten Patienten von der Front ein. Die Bettenzahl steigt von anfänglich 180 auf 250, 320, 349. Immer mehr Räume müssen die Schwestern abtreten. Die größte Zahl der Patienten kommt aus Afrika, Griechenland und Kreta, infiziert mit Ruhr und Malaria. So wird das Lazarett zum Tropenlazarett erklärt. Erstaunlich flexibel arbeiten die Schwestern in ihren neuen Arbeitsbereichen. „Sehr zuverlässig“, lautet das Urteil der Ärzte und ein Patient drückt es in Versen aus:
„Wo
am Amtsgericht steht ein Lazarett,
wo
man den ganzen Tag liegen muss im Bett,
wo
man sagt, das Fieber kommt von Sumpf und Schilf,
dort
ist meine Heimat, ist Mariahilf.“
Im
April 1943 beginnen die Bombenangriffe auf München. Ein Stadtteil nach dem
anderen erlebt die Schrecken der Zerstörung. Zu jeder Tag- und Nachtzeit ist
Fliegeralarm. Für die Kranken und die Schwestern wurden die Kellerräume zu
regelrechten Bunkern umgestaltet.
![]() |
![]() |
Einen
ebenso schweren Angriff erlebt das Auer Kloster am 17. Dezember 1944. Der
Angriff vom 21. April 1945 bringt die letzte Zerstörung des Hauses. Nun sind
wirklich alle Gebäudeteile Ruinen. Der Lazarettbau hat wie durch ein Wunder
die kleinsten Schäden. Da sickert das Gerücht durch: „Die Amerikaner
stehen vor München!“
Die
Armen Schulschwestern benötigen das Haus dringend für die Ausbildung des
Ordensnachwuchses. Jahr für Jahr kämpft die Ordensleitung um die Rückgabe
der Räume. Aber erst im Mai 1953 wird die Verlegung der Patienten in andere
Krankenhäuser vorgenommen. Am 30. Mai 1953 ist dieses außergewöhnliche
Kapitel in der Geschichte des Auer Klosters abgeschlossen.
Mauerreste und Schutthalden werden abgetragen. Nicht ohne Bewunderung lesen wir in der Chronik: „Die Schwestern bearbeiteten ca. 50000 Ziegelsteine aus dem Bauschutt gebrauchsfertig.“
Frau
Oberin M. Josephine Freymüller und der gesamte Konvent beginnen mit
zahlreichen Helfern einen staunenswert raschen Wiederaufbau. Herr Rebele mit
seinem Bautrupp zieht Außenmauern und Innenwände hoch, setzt Dächer auf.
Der Schwesternbau ist bald wieder bewohnbar. 1947 hat auch der Institutsbau
wieder ein Dach. Im selben Jahr wird die völlig ausgebrannt Kapelle von
Weihbischof Neuhäusler geweiht. Sechsmal kann in drei Jahren Richtfest
gefeiert werden, berichtet die Chronik.
Schon
1946 wird das Seminar für Jugendpflege
wieder eröffnet. Es wechselt im Lauf der Jahre öfters seinen Namen. Seit
1973 heißt es Fachakademie für Sozialpädagogik und bildet Erzieherinnen
aus.
Im
gleichen Jahr nimmt das Internat Kandidatinnen auf, die das Gymnasium
besuchen.
Ab
1953 stehen alle Gebäude ihrem ursprünglichen Zweck wieder zur Verfügung
– auch das Ökonomiegebäude am Auer Mühlbach.
1969
stellt die Zeit neue Anforderungen. Das Ökonomiegebäude muss abgerissen
werden, um Bauland für einen modernen Kindergarten zu gewinnen. Am Morgen des
15. September 1969 werden alle Hühner samt dem Gockel Hansi geschlachtet, später
holt der Metzger die Schweine.
1973
können die Kleinsten von Kindergarten und Hort in das neue Haus einziehen.
Das großzügig angelegte Spielgelände findet allgemein Anklang. Im gleichen
Jahr löst ein Tagesheim mit 70 Mädchen das Internat ab.
1974
erhält die Kapelle ihre der Liturgiereform entsprechende heutige Gestalt.
Ein
Blick in die interne Entwicklung der Schwesterngemeinschaft:
Bereits
1946 melden sich die ersten Kandidatinnen seit dem Zusammenbruch. Die Zahlen
steigen von Jahr zu Jahr. 1955 verzeichnet die Chronik 200. Ab1960 verringert
sich die Zahl langsam, ab 1968 aber gravierend. Heute besteht Nachwuchsmangel!
Die heutigen Aufgaben in der Au
Circa
700 Kinder und Jugendliche besuchen heute täglich die Bildungseinrichtungen:
o
den Kindergarten
o
die Theresia -
Gerhardinger - Mädchenrealschule mit angeschlossenem Tagesheim, deren Trägerschaft,
seit 2002 die Erzdiözese München und Freising übernommen hat
o
die
Berufsfachschule und die Fachakademie für Hauswirtschaft