Die Armen Schulschwestern in der Au

Anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Arme Schulschwestern in der Au“ haben im Jahr 1989 Sr. M. Gerburgis Steinmeier, ehemalige Deutschlehrerin an unserer Realschule, und Sr. M. Birgitt Brummer, damals Oberin des Klosters in der Au, Texte und Bilder zusammengestellt, die nicht nur eine Geschichte des Ordens, sondern auch ein Stück Münchner Stadtgeschichte und Schulgeschichte erzählen. Der folgende Text ist gekürzt und aktualisiert.

Streiflichter aus der Geschichte des Stadtteils München – Au

1289 wird die Siedlung Au bei München erstmals urkundlich erwähnt.

1511 erbaut Herzog Wilhelm IV. das Jagdschloss Neudeck in der Au.

1627 errichten Paulanermönche hier ein Kloster. Sie wirken 172 Jahre lang als Seelsorger und Helfer der Armen.

1629 schenkt Graf Sebastian von Rottaw das viel verehrte Gnadenbild „Mariahilf“ der Pfarrei. „Gnadenmutter von der Au, Deinem Schutz ich stets vertrau“, betet das gläubige Volk in allen Anliegen.

1839 wird am 25. August nach achtjähriger Bau­zeit die Pfarrkirche Mariahilf geweiht.


Das Jahr 1839

Welche geschichtliche Situation finden wir in Bayern vor?

König Ludwig I. regiert Bayern. Er übernimmt ein schweres Erbe. Das Land leidet unter den religiösen und sozialen Folgen der Säkularisation: Die Klöster sind aufgehoben, das Schulwesen liegt im Argen und die Jugend ist weithin verwahrlost und oft sich selbst überlassen.

König Ludwig war als Prinz Schüler von Bischof Johann Michael Sailer. Dieser sieht die Mißstände der Zeit besonders klar. Er führt den Thronfolger zu einem überzeugten Christentum hin. Die beste Abhilfe sieht der König deshalb in der religiösen Erziehung und Bildung der Jugend. Er überträgt diese Aufgabe den neu entstehenden Ordensgemeinschaften.

Bischof Wittmann von Regensburg hat bereits 1809 Karolina Gerhardinger zur Lehrerin ausbilden lassen. Diese gründet 1833 als Schwester Maria Theresia Gerhardinger die Kongregation der Armen Schulschwestern mit der ersten klösterlichen Mädchenschule in Neunburg vorm Wald.

Trotz großer Armut wächst die Schwesterngemeinschaft von Jahr zu Jahr. Neue Niederlassungen entstehen. Die weitblickende Generaloberin will ihren Schwestern die beste Ausbildung ermöglichen. Dies kann nur in der Landeshauptstadt sein. So richtet sie ein Bittgesuch an die königliche Regierung, ein Mutterhaus in München errichten zu dürfen. Ihre klaren Ausführungen überzeugen die Behörden, und der König sagt anerkennend: „Diese Frau weiß, was sie will, und was sie will, ist groß gedacht.“ Im Auftrag des Königs darf sie sich nach einem geeigneten Gebäude umsehen. Nach langen Überlegungen entscheidet sie sich für das frühere Klarissinnenkloster am Anger.

Doch bis zur Übernahme vergehen Jahre. Zuerst entsteht 1839 die Niederlassung in der Au.

Stadtpfarrer Rabl von Mariahilf in der Au, der zugleich königlicher Schulinspektor war, bittet M. Theresia Gerhardinger um Schulschwestern für zwei „erledigte“ Schulstellen seiner Mädchenschule. Mutter Theresia kommt dieser Bitte gerne nach. Mit ihrem Institut will die Ordensgründerin besonders dem einfachen Volk Bildung erschließen. Sie ist überzeugt, dass jeder ein Recht auf Bildung hat. Sie darf nicht das Privileg des Adels und der wohlhabenden Bürger sein. Und wie notleidend die Auer Bevölkerung ist, beschreibt Hofrat Dr. Freudenberger in seiner „Geschichte der Au“:

„Die Hauptmasse der Bevölkerung sind arme Tagelöhner, welche mühsam Verdienst suchen mussten. In aller Frühe eilten Mann und Frau in die Stadt, erst am Abend kamen sie müde und abgehetzt heim. Die kleinen Kinder wurden älteren Geschwistern oder alten Nachbarinnen zur Pflege überlassen oder sie blieben ohne jede Aufsicht und Nahrung einfach in der Wiege in ihrem Schmutz liegen. Von den größeren Kindern kamen sehr viele ganz verhungert in die Schule. Nach dem Unterricht trieben sie sich auf der Gasse herum. Viele Kinder betrieben das Betteln wie ein Handwerk.“

Ist nach diesen Aussagen nicht die Au das gegebene Arbeitsfeld für die Armen Schulschwestern? Bereits Anfang Dezember 1839 erfüllt Mutter Theresia Pfarrer Rabls Bitte. Sie reist von Neunburg her in die Vorstadt Au. Aber der Anfang in München war sehr bescheiden und bitter arm.

Unter Sturm und Regen kam Mutter Theresia mit drei Schwestern und einer Kandidatin nach fünftägiger an Beschwerden reicher Fahrt in einem gebrechlichen Wagen am Abend des 7. Dezembers 1839 vor dem Pfarrhof in der Au an.

„In München verursachte die Ankunft der Schwestern peinliche Überraschung. Mutter Theresia hatte einer privaten brieflichen Aufforderung Folge geleistet, die amtliche Berufung hatte sich jedoch verzögert, so dass in der Au selbst niemand mit ihrem Kommen rechnete. Als der Wagen am Pfarrhaus vorfuhr, ließ man die Schwestern dort lange warten. Stadtpfarrer Rabl war nicht zu Hause und die Kapläne waren in großer Verlegenheit, was sie tun sollten. Eine der Schwestern berichtet: Endlich kam einer der Kapläne heraus und lief eilig zurück, rufend: „Schulschwestern sind da! Wo sollen die hin?“ Diese stiegen aus und hörten die Antwort: „Beim Kutscher Aiblinger ist eine Stube leer; da haben wir heute den Sohn herausbegraben.“ Um nun je eher, desto lieber die Schulschwestern los zu sein, wurde der Kutscher angewiesen, um ein Haus weiter zu fahren, wo ihnen von seiten der Kutschersfrau ein nicht allzu freundlicher Empfang zuteil wurde. Sie betrachtete die Schwestern als Eindringlinge und räumte hastig ihre ganze Habe fort, so dass diese mit ihren mitgebrachten Kisten vollständig allein waren.

Da die Schwestern müde und hungrig waren, bat Mutter Theresia die Frau um die Bereitung einer warmen Suppe, erhielt aber zur Antwort, für ihre Knechte wisse sie wohl zu kochen, nicht aber für solche Leute. Als diese versicherten, dass sie mit einer Knechtssuppe ganz zufrieden seien, kam alsbald eine Schüssel voll Nudelsuppe und ein Löffel, aber kein Teller. Eine Kiste diente als Tisch, die Koffern als Sitze und so bekam nun jede der Reisenden abwechselnd den Löffel in ihre Gewalt. Spät abends kam Pfarrer Rabl nach Hause und lud die Schwestern ein, vorläufig in sein Haus zu kommen, was aber dankend abgelehnt wurde. Die erste Nacht verbrachten die Schwestern in ihrer kalten, unfreundliche Stube ohne jede Bequemlichkeit.“

Das ist der Anfang der Schulschwestern in München und in der Au. Eine Gedenktafel am Haus links neben unserer Schule erinnert daran, dass Theresia Gerhardinger hier vom 7. bis zum 9. Dezember 1839 wohnte.

Ansicht der Au um 1839


Die Arbeit mit den Kindern in der Au

Bereits am nächsten Tag nehmen sich Pfarrer Rabl und die Servitinnen vom Herzogspital der Schwestern an.

„Trotz aller großmütigen Hilfe aber blieb die Wohnung recht armselig. Es mangelte den Schwestern an vielem. ‚In Neunburg sind wir arm‘, schrieb damals Mutter Theresia, ‚aber so arm wie in der Au nicht.‘

Die Mietwohnung konnte nicht einmal richtig abgeschlossen werden. Unten wohnte ein Lohnkutscher mit seinen derben Knechten, oben über den Schwestern einige unverheiratete Frauen mit ihren Kindern." 

Am 8. Dezember 1839 übernehmen Sr. M. Philomena Blattner und Sr. M. Augustina Dostler zwei Mädchenklassen. Bald werden den Schwestern sämtliche Mädchenklassen übertragen. Pfarrer Rabl äußert sich: „Die Schulschwestern haben die bisherige Schulfurcht in Schulfreude verwandelt.“ 

1840 erwerben die Schwestern das Ertl-Anwesen mit dahinterliegendem Garten und Berg, ein Wirtshaus und noch ein kleines Haus. Für die Beschaffung der Kaufsumme sorgt König Ludwig I., nachdem seine Schwestern, die Kaiserin von Österreich und die Königin von Sachsen, bei den Schwestern in der Au zu Besuch waren und deren schlechte Unterkunft gesehen hatten. Nun können auch Zöglinge aufgenommen werden. Doch die Räume reichen nicht lange.

1843 wurde das neue Mutterhaus am Anger bezogen. Die Filiale in der Au bildete von Anfang an seine Ergänzung und stand wie das Mutterhaus jahrelang unter der unmittelbaren Leitung Mutter Theresias.

„Der weite Garten des Auer Klosters versorgte nicht nur die Küche des Mutterhauses mit dem notwendigen Gemüse, er bot auch dessen Bewohnern reiche Erholungsmöglichkeit, umfasste er doch jenseits des Mühlbaches das malerische Hochufer der Isar, von dessen oberster Terrasse man einen herrlichen Blick auf die türmereiche Hauptstadt genießt. Die Montagnachmittage verbrachten Zöglinge und Kandidatinnen für gewöhnlich im Auer Garten; hier wurde auch das Maifest gefeiert mit Sang und Spiel und festlichem Mahl.

Das Haus in der Au baute Mutter Theresia im Laufe der Zeit. den Bedürfnissen der armen Bevölkerung der Vorstadt entsprechend, zu einer einzigartigen sozialen Hilfsanstalt aus." 

1845 entsteht im Garten ein einfaches Institutsgebäude, aber bald sind die Räume wieder zu eng. So erwerben die Schwestern das Anwesen des Schreinermeisters Wahle und die am Bach gelegene Stärkefabrik. Nach einem Anbau ziehen dort sechs Mädchenklassen ein.

1851 überträgt Pfarrer Herbst dem Konvent die von Pfarrer Rabl gegründete Armenindustrieschule und die Heilanstalt für verwahrloste Jugendliche.

Eine Kinderbewahranstalt wird eröffnet. Der Vorläufer des Kindergartens. Unsere Stifterin legte damals schon großen Wert auf kindgerechte Beschäftigungsmittel. Vielen armen Kindern der Bewahranstalt wird mittags eine warmen Suppe gereicht. Diese Kinder sind in der Au als Suppenkinder bekannt. Die Schulkinder werden auch in der Freizeit betreut. So ist 1851 eigentlich das Geburtsjahr des Tagesheims und des Horts.

1858 erstellen die Schwestern ein Ökonomiegebäude und vergrößern den Garten. Dies gibt Gelegenheit, die Schülerinnen auch praktisch auszubilden. 

1859 wirken die Armen Schulschwestern 20 Jahre in der Au. Sie betreuen jetzt:

o      620 Werktagsschülerinnen

o      300 Feiertagsschülerinnen

o      84 Bewahranstaltskinder

o      90 Institutszöglinge und

o      31 Kinder der Rettungsanstalt.

Der Konvent zählt 40 Schwestern und 16 Kandidatinnen.

Für die 20-jährige erfolgreiche Aufbauarbeit schenkte Mutter Theresia vermutlich dem Auer Konvent die Statue „Unsere Liebe Frau in der Sonn“, eine eindrucksvolle und außergewöhnliche Skulptur des Weilheimer Meisters Hans Degler aus der Zeit um 1605. Heute nimmt die Statue in der Hauskapelle links vorne einen Ehrenplatz ein. 

1881 baut der Orden ein Mädchenschulhaus für die siebenklassige Volksschule. Etwa 500 Schülerinnen werden dort unterrichtet.

1886 eröffnet Stadtpfarrer Simon Knoll offiziell den Mädchenhort. Der Orden stellt unentgeltlich die Schwestern, später gibt der Vinzentius-Verein monatlich 100 Mark Zuschuss.

1889 feiern die Schwestern voll Freude und Dankbarkeit das 50-jährige Bestehen der Filiale in der Au. Aus einem unscheinbaren Beginn ist ein stattliches Schulkloster geworden.


Hans Degler,

Unsere Liebe Frau in der Sonnen, 1605

 

Die Jahre: 1889-1939

Die Ordensgemeinschaft zieht viele junge Menschen an. 1892 spricht die Chronik von 92 Aspirantinnen. Der Trend setzt sich fort, bis die Nationalsozialisten mit Gewalt eingreifen.

Seit 1895 dürfen die jungen Schwestern der bayerischen Ordensprovinz in unserer Kapelle die Ewige Profess ablegen. Sehr oft hält Kardinal Faulhaber die Feier.

Auch die Pfarrgeistlichkeit schätzt die Tätigkeit der Schwestern. Der Geistliche Rat Simon Knoll bedankt sich anlässlich eines Festes „für alle Guttaten, die das Kloster der Pfarrgemeinde erweist.“

An die Wertschätzung der weltlichen Behörden erinnert die Weihnachtskrippe des Klosters. Magistratsrat Michael Feuerstein schenkt sie  1893 den Schwestern. Die geschnitzte Krippe mit bekleideten Figuren und vielen Tieren hat alle Wirren des 20. Jahrhunderts überstanden, wurde  restauriert und wird jedes Jahr wieder im Vorraum der Kapelle mit verschiedenen Szenen aufgebaut.

Auch königlicher Besuch findet sich in der Au ein: Prinzessin Klara, die Enkelin Ludwigs I., besucht wiederholt das Institut, seine königliche Hoheit Prinz Ludwig Ferdinand sitzt mit seiner Tochter, Prinzessin Pilar, bei Theateraufführungen in der ersten Reihe und Prinz Arnulf von Bayern, der Bruder des letzten Königs, Ludwig III., plaudert mit den Kindern im Hort.

Die Klostergebäude
in der Au um 1910


Das Bildungswesen der Schwestern entspricht den Anforderungen der Zeit:

1913 erhalten die Schülerinnen der verpflichtend gewordenen 8. Klasse der Volkshauptschule einen Schulgarten.

Mehrere Schwestern legen das Examen als Haushaltslehrerinnen ab und führen die Mädchen in die Kunst des Kochens ein.

1916 hält die erste Remington - Schreibmaschine Einzug und der Unterricht in Maschinenschreiben beginnt.

Die Schrecken des 1. Weltkrieges und die Wirren der Revolution bringen die Schwestern oft in Angst und Bedrängnis, aber das Kloster erleidet keinen sichtbaren Schaden.

1920 eröffnen die Schwestern auf Anregung von Kreisschulrat Eisbeck eine zweiklassige Haushaltungsschule.

Die folgenden Jahre der Inflation sind wie überall eine Zeit des Hungers und der Not. Die Klage der Hausoberin „Wie soll ich eine Gemeinschaft mit 300 Personen ernähren, wenn ein Zentner Weizen schon 400 Mark kostet?“ verstummt, als von Freunden und Organisationen aus Stadt und Land  Nahrungsmittel und Geld eintreffen. Die Chronik besteht in jenen Jahren fast nur noch aus Empfangsbestätigungen für Almosen. Viele Hilfen kommen auch von Freunden, ehemaligen Schülerinnen und Mitschwestern aus Amerika. Ein Beispiel soll für viele stehen: 1923 treffen so viele Spenden ein, dass eine Milchkuh für die Au, später eine zweite für das Mutterhaus gekauft werden kann. Welch ein Reichtum in jenen Jahren, wo man nur noch in Milliarden und Billionen bezahlte!°

Vielleicht geht den Auer Schwestern aber auch das Geld im Topf nicht aus, weil sie keinen Armen von der Tür weisen. Täglich erhalten in den Jahren der Arbeitslosigkeit um 1930 über 400 Notleidende wenigstens ein Stück Brot oder Suppe.

Auch die folgenden Jahre sind von großer Armut geprägt. Das Leben der Schülerinnen und Schwestern hält sich in bescheidenen Grenzen. Dies hindert die Ordensleitung nicht, an den dringend notwendigen Schulneubau zu denken. 1934 beginnen die Abbrucharbeiten der viel zu eng gewordenen Gebäude. Schon im Juni 1935 wird das Haus samt Kapelle durch Kardinal Faulhaber geweiht.

Mit Beginn des neuen Schuljahres 1935/36 verlegt der Orden das Kindergärtnerinnenseminar vom Mutterhaus am Anger in die neuen Räume des Auer Klosters. Die Filiale beherbergt:

o      83 Schwestern

o      eine achtklassige Mädchenvolksschule

o      eine zweiklassige Haushaltungsschule

o      ein Seminar zur Ausbildung der klösterlichen Handarbeitslehrerinnen,

o      ein Kindergärtnerinnenseminar

o      einen Hort und einen Kindergarten.

1936 fährt der eisige Wind des Nationalsozialismus in dieses blühende Schulwesen. Trotz Bitten und Protesten der Eltern dürfen die Schwestern keine Kinder mehr in ihre Volksschule einschreiben. 1937 werden alle Schwestern daraus entlassen.

1939 feiern die Schwestern im Advent am Sonntag Gaudete ihr 100jähriges Jubiläum. Der 2. Weltkrieg hat begonnen, die Aufhebung der klösterlichen Schulstellen vollzieht sich in den meisten Konventen, Unsicherheit und Zukunftsangst machen sich breit. Trotzdem spricht der Festprediger Hubert Fischer mit den Worten, die Paulus aus dem Gefängnis an seine Gemeinde in Philippi geschrieben hat: „Gaudete! Freut euch, denn der Herr ist nahe!“ Dies gibt auch den Schwestern in dieser dunklen Zeit der Vernichtung ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit  eine unbesiegbare Hoffnung.

Das Auer Kloster in den Kriegsjahren 1941-45

Am 15. August 1941 trifft die Hiobsbotschaft ein: Der Neubau der Armen Schulschwestern wird beschlagnahmt und ist binnen zwei Wochen als Lazarett einzurichten. Helle Aufregung und Ratlosigkeit machen sich breit. Tag und Nacht arbeiten die Schwestern unter äußerster körperlicher und seelischer Belastung. Verhandlungen über wirtschaftliche Führung, Bereitstellung von Schwestern zu Lazarettdiensten  sind im Gange. Am 31. August ist das Haus bezugsfertig und heißt nun offiziell Teillazarett Mariahilf. Die Kongregation stellt 10 geprüfte Krankenschwestern, 10 Schwestern für Verwaltung und Geschäftszimmer, 7 Schwestern als Arztschreibkräfte und 3 Schwestern für das Labor zur Verfügung. Außerdem übernehmen die Schwestern die Verpflegung der Patienten, die Kleiderkammer, die Wäsche- und Hausreinigung.  

Ab dem 3. Oktober 1941 treffen die ersten Patienten von der Front ein. Die Bettenzahl steigt von anfänglich 180 auf 250, 320, 349. Immer mehr Räume müssen die Schwestern abtreten. Die größte Zahl der Patienten kommt aus Afrika, Griechenland und Kreta, infiziert mit Ruhr und Malaria. So wird das Lazarett zum Tropenlazarett erklärt. Erstaunlich flexibel arbeiten die Schwestern in ihren neuen Arbeitsbereichen. „Sehr zuverlässig“, lautet das Urteil der Ärzte und ein Patient drückt es in Versen aus:

„Wo am Amtsgericht steht ein Lazarett,

wo man den ganzen Tag liegen muss im Bett,

wo man sagt, das Fieber kommt von Sumpf und Schilf,

dort ist meine Heimat, ist Mariahilf.“ 

Im April 1943 beginnen die Bombenangriffe auf München. Ein Stadtteil nach dem anderen erlebt die Schrecken der Zerstörung. Zu jeder Tag- und Nachtzeit ist Fliegeralarm. Für die Kranken und die Schwestern wurden die Kellerräume zu regelrechten Bunkern umgestaltet.

Für die Au wird der 25. April 1944 zu einem Schreckenstag. Eine Schwester, die dies miterlebt hat, erinnert sich: "„Gegen 12 Uhr nachts heulten die Sirenen. Alles lief in die Keller. Wellen von Bombern brausten heran, ungeheuere Einschläge waren direkt über uns. Die Detonation lässt die Kellerwände erzittern, Türen und Luken springen auf, Wolken von Ziegelstaub wirbeln herein. Das Trommelfeuer von Phosphorkanistern und Brandbombenketten dauert eine halbe Stunde. Sechs große Brandherde entstehen. Die Gefahr des Übergreifens auf das Lazarett ist groß. Schwestern und Patienten bilden eine Eimerkette, die das Löschwasser aus der Grundwasserstelle im Kohlenkeller aufnimmt. Die Brandherde haben sich bereits zu einem Riesenfeuer vereinigt. Da kommen zwei Motorspritzen. Vier Stunden arbeiten sie, bis das Feuer niedergerungen ist. Nun sehen wir das ganze Ausmaß der Zerstörung. Auch unsere Kapelle ist ausgebrannt. Rund um den Mariahilfplatz sind 580 Häuser zerstört, es gibt 10000 Obdachlose, 28 Tote beklagt der Auer Bezirk. Erschöpft versammeln wir uns im Katakombendunkel des Luftschutzkellers um den Notaltar zur Feier der Eucharistie und danken fürs Überleben. Dann können wir nur noch nach unseren Habseligkeiten suchen und einer Bleibe für die kommenden Nächte.



Es folgen Wochen harter Arbeit. Schwestern und genesende Soldaten schaufeln Schutt, zerren Balken, werfen Steine, schieben Karren. Aus dem eigenen Lazarett bekommt ein junger Zimmermann, Herr Rebele, die Leitung der Aufbauarbeiten übertragen. Diesem Helfer gebührt besonderer Dank. Die Paulaner Brauerei hilft mit Fuhrwerk, Karren und Kran, das Münchner Eiswerk stellt seine Schlosserei zur Verfügung. So entsteht ein Dach um das andere über den noch bewohnbaren Räumen.“

Einen ebenso schweren Angriff erlebt das Auer Kloster am 17. Dezember 1944. Der Angriff vom 21. April 1945 bringt die letzte Zerstörung des Hauses. Nun sind wirklich alle Gebäudeteile Ruinen. Der Lazarettbau hat wie durch ein Wunder die kleinsten Schäden. Da sickert das Gerücht durch: „Die Amerikaner stehen vor München!“

Am 30. April 1945 erfolgt die Kapitulation der Stadt. Nach und nach werden die Soldaten aus dem Lazarett entlassen. Am 15. August ist die Lazarettzeit zu Ende. Aber das Aufatmen dauert nur zwei Tage. Am 17. August werden die beschädigten Räumlichkeiten erneut beschlagnahmt und  zum Städtischen Infektionskrankenhaus mit Kinderabteilung erklärt. 11 Schwestern stellt der Orden zur Verfügung. Volle acht Jahre hindurch bis 1953 pflegen sie Tausende gesund, viele bereiten sie liebevoll auf den Heimgang zu Gott vor.

Die Armen Schulschwestern benötigen das Haus dringend für die Ausbildung des Ordensnachwuchses. Jahr für Jahr kämpft die Ordensleitung um die Rückgabe der Räume. Aber erst im Mai 1953 wird die Verlegung der Patienten in andere Krankenhäuser vorgenommen. Am 30. Mai 1953 ist dieses außergewöhnliche Kapitel in der Geschichte des Auer Klosters abgeschlossen.


Neubeginn nach 1945

Mauerreste und Schutthalden werden abgetragen. Nicht ohne Bewunderung lesen wir in der Chronik: „Die Schwestern bearbeiteten ca. 50000 Ziegelsteine aus dem Bauschutt gebrauchsfertig.“

Frau Oberin M. Josephine Freymüller und der gesamte Konvent beginnen mit zahlreichen Helfern einen staunenswert raschen Wiederaufbau. Herr Rebele mit seinem Bautrupp zieht Außenmauern und Innenwände hoch, setzt Dächer auf. Der Schwesternbau ist bald wieder bewohnbar. 1947 hat auch der Institutsbau wieder ein Dach. Im selben Jahr wird die völlig ausgebrannt Kapelle von Weihbischof Neuhäusler geweiht. Sechsmal kann in drei Jahren Richtfest gefeiert werden, berichtet die Chronik.

Schon 1946 wird das Seminar für Jugendpflege wieder eröffnet. Es wechselt im Lauf der Jahre öfters seinen Namen. Seit 1973 heißt es Fachakademie für Sozialpädagogik und bildet Erzieherinnen aus.

1947 beginnt der zweijährige Lehrgang für Handarbeitslehrerinnen. Aus ihm geht nach mehrmaligen Umgestaltungen 1972 die jetzige Form der frauenberuflichen Schulen hervor.

1951 entsteht das heutige Gebäude der Realschule. Die dreiklassige Mittelschule mit etwa 500 Schülerinnen und 15 Lehrschwestern übersiedelt aus dem Angerkloster in diesen Neubau.

Im gleichen Jahr nimmt das Internat Kandidatinnen auf, die das Gymnasium besuchen.

Ab 1953 stehen alle Gebäude ihrem ursprünglichen Zweck wieder zur Verfügung – auch das Ökonomiegebäude am Auer Mühlbach.

1969 stellt die Zeit neue Anforderungen. Das Ökonomiegebäude muss abgerissen werden, um Bauland für einen modernen Kindergarten zu gewinnen. Am Morgen des 15. September 1969 werden alle Hühner samt dem Gockel Hansi geschlachtet, später holt der Metzger die Schweine.

1973 können die Kleinsten von Kindergarten und Hort in das neue Haus einziehen. Das großzügig angelegte Spielgelände findet allgemein Anklang. Im gleichen Jahr löst ein Tagesheim mit 70 Mädchen das Internat ab.

1974 erhält die Kapelle ihre der Liturgiereform entsprechende heutige Gestalt.

Ein Blick in die interne Entwicklung der Schwesterngemeinschaft:

Bereits 1946 melden sich die ersten Kandidatinnen seit dem Zusammenbruch. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. 1955 verzeichnet die Chronik 200. Ab1960 verringert sich die Zahl langsam, ab 1968 aber gravierend. Heute besteht Nachwuchsmangel!


Die heutigen Aufgaben in der Au

Circa 700 Kinder und Jugendliche besuchen heute täglich die Bildungseinrichtungen:

o      den Kindergarten

o      die Theresia - Gerhardinger - Mädchenrealschule mit angeschlossenem Tagesheim, deren Trägerschaft, seit 2002 die Erzdiözese München und Freising übernommen hat

o      die Berufsfachschule und die Fachakademie für Hauswirtschaft

o     die Fachakademie für Sozialpädagogik