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Der
folgende Text ist entnommen aus der Predigt von Papst Johannes Paul II. anlässlich
der Seligsprechung am 17. November 1985. Veröffentlicht wurde er im
Osservatore Romano Nr. 47 vom 22. November 1985.
"Ihr seid das Salz der Erde" (Mt 5, 13).
In
der heutigen Liturgie erinnert uns die Kirche an diese Worte des Herrn, die er
in der Bergpredigt ausgesprochen hat.
Das
Salz hat seine Kraft, die es nicht verlieren darf. Wegen dieser Kraft ist das
Salz für die Erde und für den Menschen notwendig. Das Essen ist ohne Salz
fade, geschmacklos. Gerade deshalb muss das Salz seine Kraft bewahren. Wenn es
sie verliert, dient es zu nichts mehr.
Jesus
sagt diese Worte zu den Jüngern. Er gebraucht sie in einer Parabel: "Ihr
seid das Salz der Erde." Ihr müsst das Salz der Erde sein. Ihr müsst dem
Leben der Menschheit Kraft - die Kraft des Evangeliums - geben. Ihr seid das
Salz! Die Kirche wendet diese Worte auf drei Personen an, die sie heute zur Ehre
der Altäre erhebt. ... Die Heiligkeit ist "der besondere Geschmack"
des christlichen Lebens. Und in diesem Sinn sind die Heiligen das Salz der Erde.
Wie das gute Salz, so verstehen die Heiligen es, die ja in der vielfältigen
Erfahrung des menschlichen Lebens und in die geschichtliche Epoche eingetaucht
sind, in welcher sie ihre Sendung haben, mit der ganzen Kraft ihres gläubigen
Zeugnisses ihre Umgebung mit der Lehre Christi zu durchdringen und tragen so zur
fortschreitenden Verwirklichung der Sendung der Kirche in der Welt bei. ...
"Ihr
seid das Licht der Welt" (Mt 5, 14).
Diese
Worte des Evangeliums sagt Christus heute in einer besonderen Weise auch zu
unserer neuen Seligen, Maria Theresia von Jesus Gerhardinger. Die Kirche hebt
das Licht ihres heiligmäßigen Lebens und Wirkens durch die Seligsprechung auf
den Leuchter, damit es fortan vor allen Menschen leuchte. Sie ehrt in Mutter
Theresia eine begnadete Erzieherin und zugleich ein außergewöhnliches
christliches Erziehungswerk, das diese durch die von ihr gegründete
Kongregation der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr. in vielen Ländern und
Kontinenten bis in unsere Tage fortsetzt.
Als
Karolina Gerhardinger im Alter von nur 12 Jahren ihre Berufung zur Lehrerin
bereitwillig annahm und später ihren Schulorden gründete, entsprach sie einer
großen Herausforderung ihrer Zeit, die sie als besonderen Anruf Gottes an sie
verstand. Die durch die politischen und sozialen Umwälzungen verursachte
Bildungs- und Glaubensnot, der sittliche Verfall der Familie, vor allem die
Verwahrlosung der Jugend, verlangten nach neuen Wegen für eine tiefgreifende
Erziehung und christliche Erneuerung, besonders unter der Landbevölkerung sowie
den einfacheren und armen Volksschichten. Mit Bischof Wittmann, ihrem
geistlichen Berater, davon überzeugt, dass die Frauen und Mütter die
Sittlichkeit der Städte und Nationen bestimmen, widmete sich die selige Maria
Theresia von Jesus mit ihren Mitschwestern hauptsächlich der christlichen
Erziehung der Mädchenjugend, um durch die Heranbildung guter Mütter und
Hausfrauen zur sittlichen Gesundung der Familien und zur Besserung der
Gesellschaft beizutragen.
Karolina
Gerhardinger verstand ihren Erzieherberuf als Auftrag, im Geiste Christi für
die anderen "Salz der Erde" zu sein. Ihr sozialer Einsatz ist zutiefst
christliches Apostolat, das in der persönlichen Ganzhingabe an Gott im
Ordensstand seinen vollkommensten Ausdruck findet. Sie gründet ihren Orden auch
letztlich, um Gott zu verherrlichen und für das Heil der Seelen. Deshalb sollen
ihre Schwestern in den Schulen nicht nur Unterricht erteilen, sondern die
Bildung des Menschen zu einem christlichen Leben erstreben.
Das
Geheimnis für die große Fruchtbarkeit von Mutter Theresias Wirken und
Erziehungswerk war neben ihrer beruflichen Tüchtigkeit vor allem die
Strahlkraft ihres eigenen geistlichen Lebens: ein unerschütterliches
Gottvertrauen und glühende Liebe zu Christus und zu den Armen. Das Wort der
Heiligen Schrift, die Eucharistie und das Gebet waren ihre innere Kraftquelle.
In nächtlicher Stille verbrachte sie oft lange Zeit vor dem Tabernakel, um
Gottes Willen zu erkennen und sich die Kraft zu erbitten, ihn in die Tat
umzusetzen. Für sich und ihre Schwestern wählte sie Maria zum Vorbild und
weihte ihr die Kongregation. Wie Maria sollten sie leben und wirken, ihr eigenes
Leben ganz auf Gott ausrichten und Christus in die Welt zu den Menschen tragen.
Maria
Theresia von Jesus, diese schlichte, aber zielstrebige und mutige Ordensfrau,
hat Großes für die Menschen und das Reich Gottes geleistet. Bei ihrer Ordensgründung
erwies sie sich als starke Frau, die für dieses Werk, das sie stets als Gottes
Werk bezeichnete, keine Opfer und Mühen scheute. Ihr Schulorden wurde
bahnbrechend für die Entwicklung des Bildungswesens in zahlreichen europäischen
Ländern und in Amerika.
Das
geistige Erbe der neuen Seligen lebt heute fort in rund 7500 Schulschwestern in
Europa, Nord- und Lateinamerika, in Asien, Ozeanien und Afrika. Ihr
Erziehungsideal ist auch in der säkularisierten Gesellschaft unserer Zeit
ebenso aktuell und gültig wie je zuvor. Möge die selige Maria Theresia von
Jesus Gerhardinger dafür nicht nur den Schwestern ihrer Kongregation, sondern
allen christlichen Erziehern fortan leuchtendes Vorbild und Fürsprecherin sein.
„Ihr
seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“, so sagt uns noch einmal
der Herr – und die Kirche bezieht diese Worte auf die neuen Seligen. Das Licht
aus dem Leben eines jeden von ihnen wird heute auf den Leuchter der Kirche
gestellt, damit es allen im Haus leuchte. Die Kirche möchte, dass dieses
Licht nicht verborgen bleibt. Das Haus des lebendigen Gottes braucht eine Lampe.
Die Menschen brauchen sie!